Lyrikecke

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Lärm

Daß alle Welt so reiselustig,

Wird zum Probleme der Akustik.

Wenn auch des Menschen Trachten groß,

Ihn durchzuführen reibungslos,

Ist der Verkehr doch, als Bewegung

Nur Reibung und drum Lärm-Erregung.

Des Südens Lärm scholl unermüdlich –

Doch – welche Wohltat: er war südlich!

Die Esel schrieen und die Treiber,

Die Händler, Bettler, Kinder, Weiber,

Man zog mit Quietschen und mit Knarren

Im Morgengrauen los mit Karren.

Und an Orchestrion-Musiken

Konnt man sich Tag und Nacht erquicken.

Hats auch nicht immer wohlgetan,

Im Grund gings einen gar nichts an.

Damit hats leider jetzt ein End –

Und Tempo herrscht statt Temperament.

Italien, das ja ziemlich lang,

Wird heut durchrast im vierten Gang,

Vom Brenner bis Caltanissetta

Erbrausen Vespa und Lambretta.

Längst übertönt Motorenlärmen

Eintönig tausendtöniges Schwärmen.

Und weh dem Land, das heut entdeckt

der Mensch, das große Lärm-Insekt!

Eugen Roth (1895-1976)

Ausgewählt von Wolfgang Gerster

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