Alessandro Manzoni und „I Promessi Sposi“

Alessandro Manzoni und „I Promessi Sposi“

Der Dichter und Schriftsteller Alessandro Manzoni wurde am 7.3.1785 in Mailand geboren und starb dort am 22.5.1873. Da seine Eltern sich schon 1792 trennten, lebte der junge Alessandro von 1790 bis 1803 in verschiedenen kirchlichen Internaten, wo er als Versager galt. Doch im Alter von 15 Jahren entdeckte der Junge die Poesie für sich. Er knüpfte Kontakte zu Schriftstellern und schrieb ein erstes feuriges Gedicht „Del Trionfo della Libertà“ (Vom Triumpf der Freiheit). 1805 zog er nach dem Tode des Vaters zu seiner Mutter nach Paris und stürzte sich dort in das intellektuelle Leben. Er fand viele Freunde unter den Anhängern von Voltaire. Claude Fauriel brachte ihm die Werke von William Shakespare nahe und auch die der deutschen Romantik. 1806/7 wurden seine ersten Gedichte veröffentlicht, darunter eine Elegie auf den Tod des Grafen Carlo Imbonati, dem letzten Partner seiner Mutter, von dem er die Villa Brusuglio nördlich von Mailand erbte, wo er von nun an lebte.

Durch seine Erziehung in kirchlichen Internaten lehnte er die Kirche ab, doch nach seiner Heirat mit der vom Calvinis-mus zum Katholizismus konvertierten Henriette Blondel fand auch er zur katholischen Kirche zurück. Diese Ehe war sehr glücklich. Damals entstanden auch die „Inni Sacri“ (Heilige Hymnen) gleichsam zur Buße für seine frühere Glaubensferne. 1818 musste er sein Erbe verkaufen, weil er auf einen Betrüger hereingefallen war. 1819 veröffentlichte er seine erste Tragödie, „Il Conte di Carmagnola“, die alle Konventionen der Einheit von Ort und Zeit brach und scharf kritisiert wurde, worauf J. W. von Goethe ihn verteidigte.

Seine bekannteste Dichtung in italienischer Sprache wurde „Il Cinque Maggio“ (Der fünte Mai), die er 1821 aus Anlass des Todes von Napoleon schrieb und die u.a. auch von Paul Heyse und Goethe ins Deutsche übertragen wurde.

Zu der Zeit arbeitete er auch an seinem bedeutendsten Roman „I Promessi Sposi“, nachdem er viel über die Geschichte Mailands im 17. Jahrhundert und die große Pest von 1630 recherchiert hatte. Die erste Fassung erschien 1823, wurde dann aber gleich noch einmal überarbeitet und erschien 1827 in 3 Bänden. Damit wurde Manzoni einer der führenden italienischen Schriftsteller. Auf Anregung von Goethe entstanden sofort in Berlin und Leipzig erste deutsche Übersetzungen, denen bis heute viele weitere folgten. In den 1830er Jahren überarbeitete Manzoni den Roman erneut, indem Passagen im lombardischen Dialekt in die toskanische Schriftsprache übersetzte. Diese endgültige Fassung wurde in Fortsetzungen von 1840 bis 1842 veröffentlicht. Als Zugabe erschien gleichzeitig die „Storia della Colonna infame“ (Geschichte der Schandsäule), die eine Episode während der großen Pest behandelte.

Die „Promessi Sposi“ gelten als erstes Beispiel des modernen italienischen Romans und nach Dantes „Divina Commedia“ als das bedeutendste Werk der klassischen italienischen Literatur, das noch heute auf dem Lehrplan aller italienischen Schüler steht. Manzoni gibt vor, ein Buch mit der Liebesgeschichte von Renzo und Lucia gefunden und nur überarbeitet zu haben. Angeregt zum Schreiben des Romans haben ihn die historischen Romane von Sir Walter Scott.

Anschließend schrieb Manzoni nur noch Abhandlungen über die italienische Geschichte und die Notwendigkeit einer allgemeinverständlichen National-sprache. 1844 war er in den deutschen Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste aufgenommen worden und 1860 wurde er zum Senator des neuen Königreichs ernannt.

Privat war sein Leben von Schicksals-schlägen geprägt. 1833 starb seine Frau und danach sechs der neun Kinder. 1837 heiratete er ein zweites Mal, doch auch Teresa Borri starb vor ihm. Sein letzter Schicksalsschlag war der Tod seines ältesten Sohnes im April 1873. Kurz danach stürzte er schwer und zog sich eine Schädelverletzung zu, an deren Folgen er starb. Ganz Italien trauerte um seinen „Nationaldichter“, Fürsten und Staatsbeamte erwiesen ihm bei der Beisetzung auf dem Mailänder Cimetero Monumentale die letzte Ehre. Giuseppe Verdi schuf in Erinnerung an ihn sein „Requiem“, dessen Uraufführung 1874 am ersten Todestag von Manzoni stattfand. (Heidemarie Zentgraf)

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