Der Leopard – Il Gattopardo / Ein Film von Luchino Visconti

Der Leopard – Il Gattopardo / Ein Film von Luchino Visconti

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Giuseppe_Tomasi_di_Lampedusa

Im März des kommenden Jahres findet wieder der sog. Lese -Marathon statt. Gelesen wird aus dem Roman „Il Gattopardo“ von Giuseppe Tomasi Di Lampedusa (1896 – 1957). Der Roman wurde nach dem Tod des Schriftstellers 1958 von Giorgio Bassani im Verlag Feltrinelli veröffentlicht.

Schon einige Jahre später, 1962, begann der Italienische Meister – Regisseur Luchino Visconti, den Roman zu verfilmen. Ihm gelang ein gut 3stündiges filmisches Meisterwerk, ein umfassendes Zeit-, Landschafts- und Gesellschaftspanorama. Er besetzte die Rollen mit namhaften Schauspielern, Burt Lancaster als Don Fabrizio, Alain Delon als Tancredi, Claudia Cardinale als Angelica. Nino Rota (1911 – 1979) komponierte eine großartige Musik zum Film, angelehnt an Musik Giuseppe Verdis. Schon die Musik zu Beginn des Filmes: (Titoli di Testa – Viaggio a Donnafugata) finde ich überaus stimmig. In der ersten Einstellung sieht der Zuschauer das Anwesen des Don Fabrizio im Sonnenlicht, man spürt die Hitze. Die Fenster des Gebäudes sind weit geöffnet, die Vorhänge wehen im Wind. Es kommt einem so vor, dass ein frischer Wind weht, Neues aufzieht. Der Kontrast der äußeren Helligkeit zum Dunklen im Inneren (Raum, Kleidung) ist stark. Das Innere symbolisiert für mich das Festhalten an einer Herrschaftsform, dessen Ende sich abzeichnet.

Aus dem Inneren des Raumes dringt Gemurmel, bei näherem Hinhören sind es Gebete. Von draußen dringt Lärm in den Raum, die Truppen Garibaldis sind im Anmarsch.

Don Fabrizio ist sich bewusst, dass die Zeit der feudalen Herrschaftssysteme vorbei ist. Er arrangiert sich mit den aufstrebenden bürgerlichen Kräften, nicht aus Überzeugung, wohl eher aus Pragmatismus. Mit seiner Haltung hofft er, sein bisheriges Leben weiterführen zu können.

„Es muss sich Etwas ändern, dass Alles so bleiben kann, wie es ist“

Die Handlung spielt in den Jahren um 1860 auf Sizilien, der langsame Untergang des Adels zeichnet sich ab, Garibaldi erobert Sizilien, es ist die Zeit einer der bedeutendsten Phasen der Italienischen Einigungsbewegung, des Risorgimentos.

Luchino Visconti stammt zwar selbst aus einem Mailänder Adelsgeschlecht, liebäugelt aber auch mit dem Marxismus. Er ist ein Hauptvertreter des Neorealismus. Ihm ging es in seinen Filmen darum, auf vergangene und bestehende gesellschaftliche Verhältnisse hinzuweisen. Bemerkenswert ist, dass Visconti mit der Figur des Don Fabrizio sympathisiert, der für die überlebten Herrschaftsverhältnisse steht. Nicht zuletzt, deswegen, weil der Adel, trotz gewisser Ungerechtigkeiten, dem Volk eigentlich näher stand als die aufstrebenden bürgerlichen Emporkömmlinge.

Der Film bewegt sich zwischen prächtigem Glanz und morbider Pracht. Für die großen Ball-Szenen, die zu den schönsten Szenen des Films gehören, benötigte Visconti 57 Drehtage.

Die Herstellung des Filmes war für die damalige Zeit mit 28 Millionen Dollar recht teuer.

Der italienisch-französische Film „Il Gattopardo“ wurde 1963 mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet. Danach erfuhr der Film leider durch Kürzungen eine Art „Verstümmelung“. Da der ursprüngliche Film ca. 3 Stunden dauerte, fanden sich nur wenig Filmverleiher dafür. Inzwischen ist der Film, dank der von Martin Scorsese gegründeten Film Foundation, restauriert worden und in seiner ursprünglichen Länge wieder zu sehen. „Il Gattopardo“ taucht regelmäßig in den Listen der 100 besten Filme auf.

Zum Schluss noch eine Aussage von Luchino Visconti zum Film bzw. der Buchvorlage: Fasziniert habe ihn: „der höchstaktuelle Gesichtspunkt einer Tendenz, die Welt in etwas Neues hineinzutreiben, das den Regeln des Alten folgt. Und dabei auf zweideutige und heuchlerische Weise dem letzteren den Vorrang zu geben“. (Cornelia Graen)

Der Lesemarathon findet am Donnerstag, 5.3.20 ab 18 Uhr im Café com der Volkshochschule statt. Am Lesen Interessierte wenden sich bitte an Dr. Vogel (Tel. 05121/86661 und E-Mail: chr.vogel@dig-hildesheim.de) Auch Zuhörende sind willkommen. (zen)

 

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