Werkschau zu Kniep endete in Rom
In einer gediegenen Ausgabe liegt der Ausstellungskatalog anlässlich des 270. Geburtstages und des 200. Todestages von Maler Christoph Heinrich Kniep aus Hildesheim nun endlich vor. Auf gut 180 Seiten werden Leistungen eines Künstlers beschrieben, analysiert und kommentiert, der mit dem Weimarer Minister und Bestseller-Autor Johann Wolfgang von Goethe im Frühjahr 1787 auf abenteuerlichen Touren die Tempel von Paestum und die antiken Stätten Siziliens durchstreifte, stets auf der Suche nach des Stiftes Würdigem – nicht nur für den Niedersachsen eine spurensetzende Lebenserfahrung. Auf deutsch und in italienischer Sprache wird u.a. von einem mühseligen Künstlerleben im damaligen Rom und Neapel (Nordhoff) und von der Sizilien-Reise der so ungleichen Partner (Orth) erzählt. Neben Freunden der Ruinen-Architektur, der Veduten und Ideallandschaften kommen auch Botaniker (Eckle) so recht zu ihrem Seh-Genuss. Besonderes Interesse dürften bei Lokalpatrioten hingegen die sieben edierten Briefe Knieps an Goethe (Eckle/Zschiedrich) wecken. Warum? Dieselben schrieb Kniep in ostfälischem Dialekt eines ‚Hildesheimer Platt‘, für heutige Augen und Ohren etwas wunderlich, freilich mit Hilfe der Kommentarhinweise und lautem Lesen verständlich, und rührend in ihrer Anrede Goethes, während der Dichterfürst ständische Distanz wahrt. Alles in allem ein wertvolles Geschenk für Liebhaber, wenn auch überteuert und nicht immer überzeugend im Druck der kaum sichtbaren Sepia-Zeichnungen Knieps. Goethe war nie in Hildesheim, aber ein Hildesheimer reiste und lebte mit ihm, das muss uns genügen. (Werner Dicke, Hi-Itzum)
PS: Die vom Autor angeregte Kniep-Ausstellung in Rom wird auch in Weimar zu bewundern sein, Termin unbekannt.
