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Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

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  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Zampognari in Germania a Hildesheim, a Hannover ed Alfeld 10.-13.12.2015

Mit Flugzeug, Bus und Eisenbahn, von Pescara über Frankfurt nach Hildesheim – so ließen sich die 1500 km schnell überbrücken: Am Donnerstagabend, dem 10. Dezember 2015, wurden Roberto Giancaterino, Luigi Pomponio und Barbara Squartecchia von Enzo Iacovozzi, Vizepräsident der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Hildesheim, am Bahnhof der Domstadt in Empfang genommen. Die drei Italiener aus dem Abruzzen Städtchen Penne in der Provinz Pescara waren gekommen, um die traditionelle Hirtenmusik aus den Bergen der Apenninen den Norddeutschen Italienfreunden nahezubringen. Schon gleich am ersten Abend wurden die Instrumente ausgepackt, gestimmt und gespielt, ehe die Musiker im Privathaus eines Italienliebhabers zur Ruhe kamen.

Am Freitag begann das umfangreiche Programm, das Enzo Iacovozzi für sie vorbereitet hatte, mit einem Empfang im Rathaus. Natürlich traten die drei in traditioneller Kleidung auf, die Hirten mit Lodenumhang und geschnürten wollenen Wadenwickeln, ihre Begleiterin in kleidsamer Volkstracht. In Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer übernahm Bürgermeisterin Ruth Seefels die Begrüßung der Gäste und brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass nun schon zum zweiten Male – nach 2012 – die Hirtenmusiker die weihnachtliche Stimmung in Hildesheim bereichern. Nicht geplant war, dass sie gleich nach dem Empfang in der Rathaushalle ihre Musik erklingen ließen: Ein frisch vermähltes glückliches Brautpaar trat gerade aus dem Trauzimmer des Standesamtes und wurde mit den Klängen von Schalmei und Sackpfeife beglückwünscht. Die Brautleute bedankten sich mit Prosecco für die schöne Folkloremusik.

Der historische Marktplatz vor dem Rathaus mit den zahlreichen Buden des Weihnachtsmarktes und das nach der Kriegszerstörung wiedererstandene historische Bäckeramtshaus waren der richtige Rahmen für den anschließenden ersten öffentlichen Auftritt der abruzzesischen Musiker. Dabei wurden den Zuhörern auch die ungewöhnlichen Instrumente erklärt: Die Zampogna, gespielt von Roberto Giancaterino, ist eine Sackpfeife. Sie ist bei allen Musikstücken dabei und hat zu der Bezeichnung „Zampognari“ für die Musiker der traditionellen Hirtenmusik geführt. Luigi Pomponio spielt die Ciaramella, eine weit hörbare Schalmei, oder er greift zum Organetto, einer kleinen Knopfziehharmonika. Eine zweite Ziehharmonika spielt Barbara Squartecchia im Wechsel mit dem Tamburin – wenn sie nicht die Instrumente beiseite legt und tanzt. Das macht sie bei den Folkloredarbietungen mit solchem Temperament und solch ansteckender Begeisterung, dass es nicht lange dauert, bis sie Mittänzer aus dem Publikum findet. Die Reihe der mehr besinnlichen Weihnachtslieder beginnt mit dem in Italien populären „Tu scendi dalle stelle“ und endet mit dem in Deutschland wohl bekanntesten Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Eine Stärkung gab es an einem der Imbissstände auf dem Marktplatz, belohnt durch die Musik der Zampognari. Dann ging es aber gleich weiter nach Hannover. Der Generalkonsul der Republik Italien Dr. Flavio Rodilosso hatte in Hannover lebende Italiener und Italienfreunde in die Sankt-Heinrich-Kirche eingeladen, um auch ihnen die heimatlichen Klänge zur Weihnachtszeit zu bringen. Die Hirtenmusik gehört für viele Italiener einfach dazu, wenn Weihnachten gefeiert wird. Sie ist ihnen aus frühester Kindheit vertraut, weckt sehnsuchtsvolle Erinnerungen an ihre Jugend in ihrer Heimat. Auch Enzo Iacovozzi, selbst vor Jahrzehnten aus einem Dorf nahe Chieti nach Deutschland übergesiedelt, macht deutlich, wie es ihn emotional berührt, wenn er die Klänge von Zampogna und Ciaramella hört. Das Gefühl der Geborgenheit in Familie und Dorfgemeinschaft, die Rituale einer jahrhundertealten Tradition werden wieder lebendig. Die Musik in der Kirche wird durch die Grußworte des Generalkonsuls und Erläuterungen zur Tradition der Musik, der früheren Lebensumstände der Hirten, ihrer Wanderungen von den Sommerweiden hoch in den Bergen in die apulischen Niederungen in der Winterzeit unterbrochen. Die Musik, die folgt, wird immer schneller und flotter und mündet in lebensfrohem Tanz.Kein Wunder, dass die ca. 150 Besucher dieses Auftritts der Zampognari begeistert sind.Es geht aber gleich weiter. Zurück in Hildesheim gibt es zunächst wieder einen Auftritt auf dem von Menschen gefüllten abendlichen Weihnachtsmarkt und dann einen Besuch bei der Weihnachtsfeier der Organisation „Brücke der Kulturen“ im India-Haus. Menschen aus vielen verschiedenen Ländern sind hier versammelt. Der überraschende Auftritt der Zampognari stößt auf große Resonanz, die Stimmung steigt, und Barbara Squartecchia versteht es schnell, die Anwesenden in ihren Tanz mit einzubeziehen. – Der Abend klingt aus mit einem späten Essen in kleinerem Kreise im Restaurant La Gondola im Zentrum der Stadt.

Am Samstag sind die Musiker zunächst Gäste des Ornithologischen Vereins im nahegelegenen Alfeld. Dazu muss man wissen, dass zwischen der Region Abruzzen und dem Ornithologischen Verein Hildesheim langjährige Beziehungen bestehen. Seit 2008 hat der Verein jedes Jahr eine Studienfahrt in die Abruzzen, zunächst in das Massiv der Majella, später zusätzlich auch ins Gran Sasso-Gebiet durchgeführt. Neben Vogelbeobachtungen geht es dabei vor allem um Erkundungen der vielfältigen Pflanzenwelt. Die Exkursionsteilnehmer waren glücklich, sich für die in den Abruzzen erlebte Gastfreundschaft nun in Deutschland revanchieren zu können, sie hatten daher den Auftritt geplant und in der Zeitung angekündigt. Auch in Alfeld gibt es vor Weihnachten einen Weihnachtsmarkt, und das war wieder ein schöner Rahmen für Darbietungen von Weihnachtsliedern und Folkloremusik durch die Zampognari. Vor allem vor der großen Krippe auf dem Marktplatz fanden die Musiker aufmerksame Zuhörer, nicht zuletzt auch den Alfelder Bürgermeister.

Am frühen Abend folgte nun der Hauptauftritt der Abruzzeser Musiker; eine kleine Pause am Nachmittag war daher willkommen. Veranstalter des Abends war das Michaelis Welt Café. Dieses Café, gelegen am Fuß der Michaelis-Kirche – Weltkulturerbe der UNESCO – hatte aus Anlass des Jubiläums „1200 Jahre Hildesheim“ eine Veranstaltungsreihe geschaffen: „Aus der Ferne gekommen – in Hildesheim ein Zuhause gefunden“. Im Laufe des Jubiläumsjahres hatten schon viele Hildesheimer mit ausländischen Wurzeln ihre Heimatländer vorgestellt, den Abschluss bildete nun Italien. Enzo Iacovozzi fühlte sich von dem Motto der Veranstaltungen „Aus der Ferne gekommen – in Hildesheim zuhause“ ganz persönlich angesprochen, und er konnte den Leiter des Welt Cafés Richard Bruns überzeugen, dass das Café für die vielen interessierten Besucher zu klein sein würde. Welcher Raum in der Stadt wäre besser gewesen als das Center for World Music, eine Abteilung der Hildesheimer Universität, mit der großartigen und einmaligen Musikinstrumentensammlung.

Weit über 150 Personen hatten sich eingefunden; der Saal war brechend voll, die letzten Besucher mussten bedauerlicherweise abgewiesen werde. Nach Grußworten der Bürgermeisterin, des Veranstalters, der Universität und des Generalkonsuls gab es nun eine Fülle von Darbietungen der Zampognari, im Wechsel mit umfassenden und aufschlussreichen Informationen über die Region der Abruzzen, dargeboten von Bernd Galland vom ornithologischen Verein, unterlegt mit meisterhaften Fotos der Landschaft, der Blumen und Pflanzen, der Kirchen und Ortschaften. Die Besucher erfuhren, dass 30 % der Region in mehreren Nationalparks unter Schutz stehen, dass die Vielfalt der Pflanzenwelt in Europa ihresgleichen sucht. Schon 1000 verschiedene Pflanzen haben die Hildesheimer Botaniker erfasst, fotografiert und ihre Standorte kartographiert – es müssen aber noch weitere 2500 Arten in den nächsten Jahren erfasst werden. Eine große Rolle für die Artenvielfalt spielt dabei die extensive Weidewirtschaft auf den hochgelegenen Weiden in den Gebirgsregionen. Nicht nur die traditionelle Hirtenmusik wird von Liebhabern dieser Tradition gepflegt und wiederbelebt, wie die Auftritte der Zampognari beweisen – auch die Beweidung mit großen Schafherden wird seit einigen Jahren wieder mehr gepflegt, nachdem die wirtschaftlichen Zwänge der modernen Landwirtschaft diese Art der Viehhaltung fast zum Aussterben gebracht hatten. Daher kann heutzutage wieder mancher Bergwanderer der Abruzzen sich plötzlich großen Herden konfrontiert sehen, bewacht von den großen weißen Abruzzen Schäferhunden, die vor und hinter der Herde besser als jede Alarmanlage jedwede unerwünschte Annäherung von Mensch oder Tier erfassen, während sie kleine kläffende Hunde scheuchen und die Schafe zusammenhalten.

In der Pause erfreuten sich die vielen Besucher köstlicher abruzzesischer Spezialitäten, die Renate Iacovozzi, die deutsche Ehefrau von Enzo, vorbereitet hatte. Es versteht sich, dass auch Wein aus den Abruzzen ausgeschenkt wurde.Den Abschluss bildete die feierliche Übergabe eines Geschenks der Zampognari an das Center World for Music.

Enzo Iacovozzi hatte bei einer Besichtigung der Instrumentensammlung, in der Instrumente aus allen Teilen der Welt zusammengetragen sind, bemerkt, dass das traditionelle Hirteninstrument aus den Abruzzen noch fehlte. Nun war die rechte Gelegenheit gekommen, diese Lücke zu schließen: Helga Schmidt konnte eine Original-Zampogna stellvertretend für den erkrankten Rolf Irle, den Sammler und Stifter der Sammlung, aus den Händen der italienischen Musiker entgegennehmen. Dabei erzählte sie, wie vor Jahrzehnten der Lehrer Rolf Irle in einem kleinen Dorf eine Okarina geschenkt bekommen hatte, die dort ein italienischer Kriegsgefangener vor seiner Rückkehr nach Italien einem Bauern überlassen hatte, für den er hatte arbeiten müssen. Das war der Grundstock einer Sammlung, die heute 3000 Stücke umfasst! Und es war ein Beweis für die Vielfalt der Beziehungen zwischen Italien und Deutschland. Großen Beifall erhielten die italienischen Gäste für das sinnige Geschenk. In Gruppen standen die Besucher noch lange zusammen, um das Erlebte zu besprechen.

.Die Gäste aber wurden danach noch bewirtet – wie schon am Vorabend in der „Gondola“.

Lange ausschlafen konnten sie allerdings nicht; denn am Sonntagvormittag war ihr Auftritt im Rahmen des sonntäglichen Gottesdienstes in der großen romanischen Basilika St. Godehard. Das war nun ein besonders würdiger Rahmen für die weihnachtlichen Klänge und die getragenen Melodien, die während der Eucharistie-Feier vorgetragen wurden. Wieder erklang „Tu scendi dalle stelle“ und zum Abschluss „Astro del ciel“. Nach dem Gottesdienst folgte ein Auftritt in der Andreaspassage, einem überdachten Einkaufszentrum. Hier konnte die Hirtenmusik von der Galerie herunter dargeboten werden, während unten sich die Besucher zwischen der Verkaufstischen des Antik-Marktes tummelten. Gleich neben der Passage war es für den Wirt des angestammten italienischen Restaurants „Alte Münze“ selbstverständlich, die Gäste aus den Abruzzen zum Mittagessen zu bitten.

Der Abend sah wieder eine große Anzahl von Besuchern: Die Deutsch-Italienische Gesellschaft hatte zu ihrer Weihnachtsfeier in die „Gondola“ eingeladen. Christian Vogel, der Vorsitzende der Gesellschaft begrüßte die Gäste; der Wirt Minuccio tischte ein Vier-Gänge-Menu nach italienischer Tradition auf. Zwischen den Gängen Weihnachtslieder und flotte Folklore-Weisen der drei Musiker, dazu informative Erläuterungen über die Tradition der Hirten in den Abruzzen, die Wanderwege der Herden, die Transumanze, in bewährter, launiger Art dargeboten von Manfred Blank. Je später der Abend, desto heiterer die Stimmung; Barbara Squartecchia erfreute die Gesellschaft mit ihren gekonnten Tänzen und animierte die Besucher, sich auch selbst auf die Tanzfläche zu begeben.

Viele haben dabei auch ihr schönes selbstgeschneidertes Kostüm in der traditionellen Art bewundert. Der Abend war ein gelungener Ausklang des dreitägigen Besuches der Musiker aus Penne in Hildesheim.

Begegnungen dieser Art, in kleinerem oder größerem Kreise, vor allem aber von Mensch zu Mensch fördern den kulturellen Austausch über die Ländergrenzen hinweg und sind für das gegenseitige Verständnis der Menschen verschiedener Sprache und Herkunft von unschätzbarem Wert. Das Michaelis WeltCafé mit seinem Unterstützerverein El Puente und die Deutsch-Italienische Gesellschaft Hildesheim als Veranstalter, im Zusammenwirken mit dem italienischen Generalkonsulat Hannover, dem Ornithologischen Verein Hildesheim und der Hildesheimer Universität haben sich damit nachhaltige Verdienste erworben. Enzo Iacovozzi als Spiritus Rector gebührt großer Dank als unermüdlicher Brückenbauer.

Eine kleine Nachfeier gab es noch, als die italienischen Gäste schon wieder in ihrer Heimat waren: Der Initiator der großen Instrumentensammlung Rolf Irle war inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen und konnte nun im WeltCafè selbst die geschenkte Zampogna in die Hand nehmen. Mit dabei waren, Prof. Dr. Raimund Vogels und Frau Marion Baron von der Universität, Helga Schmidt, Renate und Enzo Iacovozzi. Auch in dieser Stunde wurde nochmals dankbar der schönen Begegnungen mit den Italienern und der verbindenden Kraft der Musik gedankt. (Dr. Ulrich Kaether)

Hinweis des Webmasters:
Dies ist die Originalversion des Berichts, der aus Platzgründen in der Papierausgabe nur in gekürzter Form erscheinen konnte.  

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