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Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

In diesem Archiv können Sie in ausgewählten Artikeln unserer Mitgliederzeitschrift stöbern. Einige sind im pdf-Dateiformat abgespeichert. Um sie lesen zu können, benötigen Sie z.B. einen "Acrobat Reader ©". Falls er auf Ihrem Rechner noch nicht installiert sein sollte, können Sie ihn über diesen Link herunterladen: http://www.adobe.com/de/

 
Leitung der Redaktionen

  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Italien und Rom ... im Hildesheimer Dom

Die in Gestalt eines Merkverses formulierte Überschrift dieses kleinen Ponte-Artikels wendet sich an alle Hildesheimer, deren Herz in Italien schlägt; vor allem jedoch an die Mitglieder der Hildesheimer DIG, die nicht an einer der drei Führungen der Società Tedesco-Italiana im „neuen“ Dom teilnehmen konnten. Gerade der erfolgreiche Abschluss der fünf Jahre dauernden Restaurierung ist ein Anlass in Erinnerung zu rufen und ins Bewusstsein zu heben, wie zahlreich und vielfältig die Italien- und Rombezüge unserer Kathedrale sind, die uns „Italien in Hildesheim“ erleben lassen.

Die augenfälligsten und stärksten Glanzlichter sind dabei die monumentalen Bronze-Kunstwerke Bernwards, denen Hildesheim – zusammen mit der Sakralarchitektur von St. Michael - die Aufnahme in die Weltkulturliste der Unesco verdankt. Schon vor dem Betreten des Domes lässt sich an seiner Bronzestatue von 1893 darüber meditieren, dass die Ankunft des Künstlerbischofs im Jahre 993 ein Glücksfall für unsere Stadt gewesen ist. Unter seinem Episkopat wurde Hildesheim zu einem der bedeutendsten Kunstzentren Nordeuropas. Anregen und inspirieren ließ sich der spiritus rector des nach ihm benannten Kunstkreises in besonderer Weise auf den ottonischen Reiserouten durch Europa.

Die dabei folgen- und ertragreichste Reise führte ihn im Jahre 1000 zur ersten Milleniumsfeier nach Rom. Sein Lehrer Thankmar, der die kleine Reisegruppe zu Pferde begleitete, notierte dazu in seiner Bernward-Biographie, der Vita Bernwardi, der Bischof habe künstlerische Assistenten (servi) dabeigehabt, die Notizen und Skizzen zu außergewöhnlichen Kunstbegegnungen und ästhetischen Seherfahrungen anzufertigen hatten. Er vergleicht Bernward mit einer Biene, die überall den besten „ Nektar“ sucht, sammelt und nach Hause bringt. Die römischen Kunstnotizen und Skizzen, so gern wir sie besitzen würden, sind nicht erhalten. Dafür aber die beiden Monumentalkunstwerke des Domes, die durch sie vermittelt ins Werk gesetzt wurden: die Bernwardtür und die Christussäule. Denn ihre Vorbilder und Muster fand Bernward in Rom.

Auf dem Aventin, wo er gewohnt haben dürfte, begegnete ihm in der Vorhalle der frühchristlichen Basilika S. Sabina ein nachahmenswertes frühchristliches Kunstwerk. Von kaiserzeitlichem Marmorrahmen umgeben bilden aus Zedernholz gearbeitete Türflügel das Eingangsportal. Die 18 erhaltenen Tafeln, von Ornamentbändern gerahmt, zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Mit der Hildesheimer Domtür nimmt Bernward die Grundidee der typologischen Gestaltung auf, überbietet sie im „ Material der Ewigkeit“, dem Bronzeguss, in stringenter Komposition und tiefer theologischer Durchdringung des Bildprogramms.

Auf dem antiken Trajansforum findet die Siegessäule des Kaisers Trajan Bernwards Bewunderung, wie auf der Piazza Colonna die des Kaisers Marc Aurel. Die 40 bzw.30m hohen, bis heute an ihren Standorten verbliebenen Marmorsäulen mit ihren umlaufenden Reliefbändern feiern in figurenreichen Bildprogrammen die Kriegstaten der römischen Kaiser, deren Bildnisstatuen ursprünglich die Siegessäulen bekrönten. Hier ist Bernwards Idee einer Christussäule geboren worden, die den Sieg Christi über Sünde und Tod feiert. In 24 eindrucksvollen und gebärdenstarken Bildern aus dem Wirken Jesu schraubt sich das Spiralband der Verkündigung des Reiches Gottes in die Höhe, wo ursprünglich bis zu ihrer Einschmelzung eine Kreuzigungsgruppe die Bronzesäule bekrönte.

Bei der Neuaufstellung der Säule in der Mitte des südlichen Querhauses wurde in der Ostwand eine Galerie geöffnet, von der wie einst in Rom von den Gebäuden des Trajansforums die oberen Partien der Säule betrachtet werden können. Ein Romzitat im Rahmen der Domerneuerung unserer Tage, das eine ganz neue Perspektive auf die Christussäule freigibt.

Schon anderthalb Jahrhunderte vor Bernwards Romreise war Altfrid, der als Hildesheimer Bischof unserem Dom die bis heute bewahrte und nach beiden Zerstörungen jeweils wiedergewonnene Grundstruktur geben sollte, in der Mitte des 9. Jahrhunderts nach Rom gereist. Sein Interesse und seine Bewunderung richteten sich besonders auf Alt-Sankt-Peter, den Vorgängerbau der jetzigen Peterskirche. Die würdigste der römischen Patriarchalkirchen war von Kaiser Konstantin noch vor seinem Abgang nach Konstantinopel gestiftet worden. Diese frühchristliche Basilika lieferte dem Bischof Altfrid wesentliche Vorgaben und Vorlagen für den ersten Hildesheimer Dombau.

Alt-Sankt-Peter war in seiner sakralen Architektur vor allem durch drei Struktur- und Gestaltungselemente bestimmt. Zu dem Langhaus der Basilika im Hauptschiff war zum ersten Mal ein ausgeprägtes Querhaus getreten, das damit den kreuzförmigen Grundriss der christlichen Kirchen begründete. Die so sich bildende Vierung gewann eine eigenständige Wahrnehmung als Raum im Gesamtraum. Ihre Positionierung über dem kultischen Ursprung der Kirche und ihrer liturgischen Mitte, dem Petrusgrab, gehört zu ihren Gestaltungsprinzipien, wie auch die Führung der Pilgerströme über das nördliche Querhaus direkt zu den Gräbern der Heiligen und zu dem Grab Petri in der Confessio. Diese genannten Elemente griff Altfrid auch in seinem Dombau auf.

Auch das Dom-Querhaus mit dem betonten Nordeingang, der später mit dem gotischen Nordparadies Lippold von Steinbergs noch weiter aufgewertet wurde, führte die hiesigen Pilger geradewegs zu den „Wurzeln“ der Hildesheimer Kathedrale, in die karolingische Marienkapelle, die quasi als Krypta unter dem Chor in den Dombau integriert und am Rosenstock verortet und „verwurzelt“ war.

Die jetzt erfolgte Neugestaltung der Apsis erinnert mit der gelungenen Blickführung durch das Fenster auf den Rosenstock an die römische Confessio, deren Fenster einen Blick auf die Anbindung der Peterskirche, auf das Petrusgrab, erlaubt. Selbst das der alten Peterskirche östlich vorgelagerte Karree des Atriums findet eine Entsprechung in der östlichen Positionierung des ausgeprägten, doppelstöckigen Kreuzgang-Karrees des Hildesheimer Domkapitels. Diese Anknüpfung und Rückbindung unserer Domkirche an das historische und spirituelle Zentrum der Christenheit in Rom lässt uns mit neuem Blick und noch größerer Wertschätzung durch unseren Dom gehen. (Dr. Nico Strube)

Anmerkung der Redaktion: Freuen Sie sich auf die Fortsetzung in der nächsten Ausgabe von „Il Ponte“

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