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Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

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  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Italien und Rom im Hildesheimer Dom - Teil 2

Zu der Neukonzeption des Domes im Rahmen der Restaurierung gehört nicht zuletzt die Wiedergewinnung des alten Pilgerweges, der durch das Nordquerhaus führt, die Gräber der Heiligen passiert und geradewegs zum Gnadenbild und dem Gründungsreliquiar in der Krypta geleitet. Stattlich ist die Reihe der Heiligen italienischer und römischer Provenienz, die in den kostbaren Reliquiaren in zeichenhafter Präsenz dem Pilger oder Besucher begegnen. So hat in der östlichen Wand des Nordquerhauses der Epiphaniusschrein (s. Foto) seine Aufstellung gefunden. Er enthält die Gebeine des Heiligen, die im Jahre 960 aus Pavia in den Hildesheimer Dom gelangten. Mit ihm vereint sind in der hochrangigen Goldschmiedearbeit, die um 1130-40 zeitnah zum Godehardschrein entstand, Reliquien zweier Römer, der frühchristlichen Märtyrerärzte Kosmas und Damian. Ihrem Andenken können Romfahrer in ihrer Kirche begegnen, die im 6. Jh. neben dem Forum Romanum erbaut und mit einem Apsismosaik geschmückt wurde. In seiner Mitte steht die überlebensgroße Gestalt Christi, begleitet von den Apostelfürsten Petrus und Paulus und flankiert von den Kirchenpatronen Kosmas und Damian, die mit ihren Salbgefäßen als Ärzte ausgewiesen sind.

DomIn der unter dem Epiphaniusschrein befindlichen Kapelle der Hl.Cäcilia hat das Kopfreliquiar dieser Heiligen seinen Platz gefunden. Es wurde wahrscheinlich im 14. Jh. von Bischof Gerhard vom Berge nach der Schlacht bei Dinklar gestiftet und enthält die Reliquien der römischen Märtyrerin, die bereits im 9. Jh. aus Rom nach Hildesheim gelangten. Die römische Kirche S. Cecilia wurde in Trastevere über ihrem Haus errichtet. Dort hatte sie unter Marc Aurel in Treue zu ihrem Glauben das Martyrium erlitten. Vom stimmungsvollen Innenhof mit der großen Brunnenschale fällt dort der Blick des Besuchers auf den eindrucksvollen Portikus altrömischer Säulen aus Rosengranit. Unter dem Altar erblickt der Besucher die von Stefano Maderno geschaffene Liegendfigur der Heiligen, die die Haltung zeigt, in der sie bei der Graböffnung in der Calixtus-Katakombe gefunden wurde. Eine Treppe führt im Kirchenraum in das Untergeschoss zur Stätte des ehemaligen Hauses „unserer Römerin“. Die dortigen Bilder ihrer Enthauptung und Märtyrerkrönung stammen von Guido Reni.

Ihr Kopfreliquiar in unserem Dom enthält noch weitere Reliquien. So lesen wir in der 5. Zeile des Epigraphs die Namen von zwei weiteren römischen Märtyrern: S.Giovanni e Paolo.

Sie hatten dem Kaiser Julianus als hohe Beamte gedient und besaßen auf dem Celio in Augenhöhe zum Kaiser auf dem Palatin ein stattliches Doppelhaus. Sie fielen in Ungnade, als sie die Rückkehr ihres Kaisers zum altrömischen Glauben nicht mitvollzogen, ihrem Glauben treu blieben und den Märtyrertod in ihrem eigenen Hause erlitten. Die Grundstrukturen dieser Gebäude sind unter der Kirche S. Giovanni e Paolo auf dem Celio ausgegraben und besonders für Hildesheimer Domfreunde besuchenswert.

Ein weiterer Italienbezug findet sich im südlichen Kapellenring; die dortige Elisabeth-Kapelle, die in der Weihnachtszeit die Domkrippe aufnehmen wird, zeigt ein Dreikönigsbild aus dem 17. Jh., das dem Umkreis Peter Paul Rubens zugeschrieben wird.

Es wurde nach dem Krieg aus dem Kunsthandel erworben als Ersatz für den im Krieg zerstörten Dreikönigsaltar. Wie dieser soll auch das Rubensbild an die seit dem 12. Jh. im Hildesheimer Dom gepflegte Verehrung der Heiligen Drei Könige erinnern. Besitzt doch der Dom ein Dreikönigsreliquiar, das aus einer Schenkung Rainald von Dassels resultiert. Der ehemalige Hildesheimer Dompropst und spätere Reichskanzler Friedrich Barbarossas war als sein Heerführer gegen Mailand gezogen, hatte die Stadt erobert und als Kriegsbeute die Gebeine der Heiligen Drei Könige in sein Erzbistum nach Köln entführt. Dort erinnerte sich der ehemalige Schüler der Hildesheimer Domschule seiner spirituellen Heimat und sandte die Zeigefinger der Heiligen nach Hildesheim, wo sie die Hildesheimer Verehrung der Heiligen Drei Könige begründeten.

Im südlichen Querhaus steht seit der Neugestaltung des Domes das Kopfreliquiar Bernwards. Mit seiner Platzierung in der östlichen Kapellenkammer steht es in einer bedeutungsvollen Wechselbeziehung mit der Christussäule, deren Vorbildern Bernward in Rom begegnet war. Es war der Kopf Bernwards mit dem großen Charisma der Rezeption und kreativen Umformung und zugleich mit der tiefen Durchdringung von Schönheit und Glaube, der unsere Stadt zu einem sakralen Kunstzentrum Norddeutschlands machte und uns Hildesheimer und die zahlreichen Besucher der Kathedralkirche bis heute mit der ästhetischen und theologischen Gestaltungskraft in seinen Bann zieht. (Text: Dr. Nico Strube, Foto: Cornelia Graen)

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