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Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

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Leitung der Redaktionen

  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Giovanni Boccaccio - mehr als nur ein Operettenheld

Giovanni Boccaccio (1313 bis 1375) gehört neben Dante Alighieri zu den großen europäischen Dichtern. In seinem Meisterwerk, Il Decamerone, porträtiert er witzig und abwechslungsreich die Gesellschaft seines Jahrhunderts. Geboren wurde der Dichter wahrscheinlich in Florenz als unehelicher Sohn des Kaufmanns Boccaccio di Chellino. Seine Mutter starb kurz nach der Geburt, deshalb verbrachte er seine Kindheit im Haus seines Vaters, der für eine Bankgesellschaft arbeitete.

Noch als Jugendlicher wurde er nach Neapel geschickt, um dort auch den Beruf eines Bankkaufmanns zu lernen. Doch der junge Mann widmete sich lieber literarischen Studien, statt Handel oder kanonisches Recht zu studieren. Da sein Vater einen guten Ruf genoss, erhielt der junge Giovanni Zugang zum neapolitanischen Hof von Robert von Anjou, wo er die elegante höfische Lebensart kennenlernte und mit Gelehrten seiner Zeit verkehrte. Dort eignete er sich ein breites Wissen an. In jener Zeit entstanden auch seine ersten literarischen Werke in Prosa und Versform. Wie zu jener Zeit üblich entwarf er das Bild einer idealen Geliebten, die er Fiammetta nannte und in seinen Versen besang. Vorbild war wahrscheinlich eine neapolitanische Adlige, die er verehrte.

1340 kehrte der junge Dichter nach Florenz zurück, trat in den Staatsdienst ein und bekleidete mehrere öffentliche Ämter. 1345/1346 lebte er in Ravenna am Hof des Ostasio da Polenta und anschließend zog er nach Forli. Das bürgerlich-städtische Umfeld, in dem er sich nun bewegte, stand im Gegensatz zu den höfischen Kreisen, in denen er vorher gelebt hatte, und inspirierte ihn zu seinem literarischen Schaffen in jenem Jahrzehnt. Den Höhepunkt bildete Il Decamerone, das danals nach der Pestepidemie (1348) entstand.

Im Herbst 1350 traf Boccaccio zum ersten Mal Francesco Petrarca und freundete sich mit ihm an. Beide verehrten die klassischen Autoren und tauschten sich in vielen Briefen hierzu aus. Zu der Zeit beschäftigte sich Boccaccio auch viel mit klassischen Texten und um 1355 erhielt er sogar freien Zugang zur Bibliothek von Montecassino, in der viele Meisterwerke aus der Antike aufbewahrt wurden. Einige der kostbaren Codices kopierte er sogar eigenhändig. Die beiden Dichter waren bald der Mittelpunkt eines Kreises von Intellektuellen, die verschollene antike Werke wiederentdeckten. Aufgrund des Ansehens, das sich der Autor des Decamerone verschafft hatte, betraute ihn die Florentiner Stadtverwaltung mit diplomatischen Aufträgen und er reiste viel.

1360 hatte Boccaccio begonnen, die griechische Sprache zu lernen, und setzte sich bald dafür ein, dass in Florenz der erste Lehrstuhl für Griechisch eingerichtet wurde. Der Leiter wurde Leontius Pilatus, der bald auf Anregung von Boccaccio die Ilias und die Odyssee von Homer ins Lateinische übersetzte und dadurch einem breiteren Publikum zugänglich machte.

Die Beschäftigung mit der Antike führte dazu, dass Giovanni Boccaccio im Alter weniger Werke auf Italienisch schrieb, sondern mehr Werke, die sich in lateinischer Sprache mit enzyklopädischen oder philologischen Themen befassten. Man vermutet auch, dass der Dichter damals eine religiöse Krise durchlebte, denn er war schon 1360 in den minderen Geistlichenstand eingetreten, wahrscheinlich auch aus finanziellen Gründen.

1373 erhielt Boccaccio den Auftrag, Dantes Divina Commedia öffentlich zu lesen, zu erklären und zu kommentieren, nachdem er zwanzig Jahre zuvor den Kult um Dante mit einer Dante-Biographie eingeleitet hatte. 1374 verschlechterte sich seine Gesundheit und er musste dieses Unternehmen beenden. Danach zog er sich nach Certaldo zurück, wo er am 21.12.1375 starb.

Heute ist Boccaccio vor allem als Autor des Decamerone bekannt. Es handelt sich um eine Sammlung von 100 Novellen, eingebettet in eine Rahmenhandlung. Sie spielt in einem Landhaus in der Nähe von Florenz, wohin sieben junge Frauen und drei junge Männer vor der Pest geflüchtet sind, die in Florenz wütete. Um sich die Zeit zu vertreiben, wollen sie sich Geschichten erzählen. So wählen sie jeden Tag eine Königin oder einen König, die oder der das Thema des Tages festlegt. Nach zehn Tagen und zehn mal zehn Geschichten ziehen die jungen Leute wieder nach Florenz zurück. In der Einleitung wird das Wüten der Pest beschrieben, das im deutlichen Gegensatz zu den unbeschwerten, teils lustigen, teils derben oder frivolen Novellen steht, die sich die zehn Personen anschließend erzählen. Besonders der neue Geist, aus dem die Personen handeln und mit dem sie das Mittelalter überwinden, ist charakteristisch für die Novellen. Kirchenleute und besonders Mönche kommen dabei besonders schlecht weg. Gerade deshalb und weniger wegen der dargestellten Erotik wurde Boccaccios Werk durch die Kirche abgelehnt. Später wurden besonders die erotischen Geschichten verbreitet, eine der bekanntesten Verfilmungen stammt von Pier Paolo Pasolini (1970), der neun Geschichten verarbeitet hat.

In der Operette Boccaccio von Franz von Suppé, die zur Zeit auch im TfN läuft, sind einige der Novellen verarbeitet. Der Dichter selbst erlebt eine Liebesgeschichte und wird bei der Arbeit an seinem Werk dargestellt. Auf jeden Fall ist es eine amüsante Inszenierung, die den Besuch lohnt, auch wenn der Titelheld nur wenig mit dem „historischen“ Boccaccio gemeinsam hat.

(Die letzten Aufführungstermine in Hildesheim: So, 13.12.15; So, 21.2.16; Sa, 12.3.16)(Heidemarie Zentgraf)

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