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Λ oben

Fuocoammare - Ein Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi - Italien / Frankreich 2015 gewinnt den Goldenen Bären

Als ich davon hörte, dass auf der diesjährigen Berlinale ein Dokumentarfilm über Lampedusa im Wettbewerb läuft, kam der Wunsch auf, darüber einen Bericht im „Ponte“ zu schreiben. Ich war zwar einige Tage in Berlin, konnte den Film leider nicht sehen, die vier Vorstellungen auf der Berlinale waren sehr schnell ausverkauft. Aber ich habe viel Material gesammelt und die Pressekonferenz im Internet verfolgt.

Ursprünglich wollte Gianfranco Rosi einen zehnminütigen Film über die Insel Lampedusa drehen, aber bereits kurz nach seiner Ankunft und den ersten Kontakten mit Bewohnern der Insel wurde ihm schnell klar, dass das Thema Lampedusa so komplex ist und ein Kurzfilm keinesfalls ausreicht, um die ganze Tragik, die damit zusammenhängt, unterzubringen. Denn Lampedusa ist nicht nur eine Insel zwischen Italien und Nordafrika, der Name Lampedusa steht für eine sehr große Flüchtlings-Tragödie des 21. Jahrhunderts. Das Meer um Lampedusa ist zu einem großen Grab geworden.

Gianfranco Rosi drehte von Oktober 2014 bis Januar 2016 auf der Insel. Kurz nach seiner Ankunft erkrankte er an einer Bronchitis, dadurch lernte er den Arzt Dr. Pietro Bartolo kennen. Dieser berichtete ihm von der großen Zahl an Flüchtlingen, die gerettet werden, aber auch von den vielen Toten, die er gesehen und gezählt hat, da er die Leichenschau durchführte, so wie auch bei der Katastrophe vom 3. Oktober 2013 mit 366 Toten.

In der Pressekonferenz zum Film wurde Dr. Bartolo gefragt, wie er das alles über so einen langen Zeitraum ertragen kann. Er entgegnete, seit er in den frühen neunziger Jahren die ersten Boote ankommen sah und die Zahl der Flüchtlinge ständig anwuchs, wurde ihm klar, dass hier dringend geholfen werden muss. Damals war die Zahl der Menschen auf den Booten noch überschaubar und sie kamen direkt auf der Insel an, waren noch nicht in so großen maroden und übervollen Booten zusammengepfercht und den kriminellen Schleppern wie heute ausgesetzt.

Bartolo sagte, dass seine Familie voll hinter ihm stehe und seine oft bis an die Grenzen gehende Arbeit mittrage. Und er beschrieb die Inselbewohner als ein Volk, das nicht protestiert, als ein Volk der Fischer und des Meeres, dem das, was vom Meer kommt, willkommen ist. Diese Einstellung sei irgendwie in der DNA der Inselbewohner fest verankert. Neben den zahllosen menschlichen Tragödien gibt es auch kleine Lichtblicke, etwa wenn eine hochschwangere Frau gerade noch rechtzeitig gerettet wird und in der Erstehilfe-Station ihr Kind zur Welt bringt, oder er ein bereits totgeglaubtes junges Mädchen wiederbeleben kann. Das macht ihm Mut weiterzumachen, um das eine oder andere Leben von Menschen zu retten, die dem Tode näher sind als dem Leben.

Dr. Pietro Bartolo ist ein Protagonist in dem Film. Ein anderer ist der 12jährige Samuele, ein Junge, der gern über die Insel streift, mit Freunden Zeit verbringt, nicht immer gern zur Schule geht. In einer Szene simuliert er mit einem Freund, wie sie mit Gewehren auf Vögel schießen. - Hier das unbedarfte Spielen der Jungen, dort die Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen.

Lampedusa ist eben auch ein Ort, wo Menschen leben, ihrer Arbeit nachgehen, den Alltag bewältigen, Kinder spielen. Gianfranco Rosi zeigt Bilder vom Alltagsleben der Bewohner, die idyllische Seite der Insel, die es ja auch gibt, im Kontrast dazu Bilder von Leid, Tod und Sterben. Es herrscht dort ein permanenter Ausnahmezustand, so steht es auf der Programmseite zum Film. Ich zitiere aus dem Programmheft zur 66. Berlinale: „Gianfranco Rosi nähert sich durch Alltagsbeobachtungen einem ebenso realen wie symbolischen Ort und der Gefühlswelt einiger seiner Bewohner, die einem permanenten Ausnahmezustand ausgesetzt sind. Zugleich beschreibt der Film, der ohne Kommentar auskommt, wie sich zwei Welten selbst auf kleinstem Raum berühren.“

Am Samstagabend bekam „Fuocoammare“ den Goldenen Bären 2016. Die Jury bezeichnete den Film als „das Herz der Berlinale“. Gianfranco Rosi sagte, dass er den Preis den Menschen von Lampedusa widmet, die ihr Herz öffnen für die Menschen, die dort ankommen. Erstmals seit 60 Jahren wurde wieder ein Dokumentarfilm Gewinner auf der diesjährigen Berlinale.

Gianfranco Rosi, Jahrgang 1964, wurde auch 2013 für seine Dokumentation „DAS ANDERE ROM – SACRO GRA“ mit dem Goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet.

Anmerkung: Lampedusa sollte aus unseren Köpfen nicht verschwinden oder kleiner werden, jetzt, wo mit dem Thema Flüchtlinge eher die Balkanroute verbunden ist. (Cornelia Graen)

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