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  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
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  • Sept. 1998 - Juli 2000:
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  • seit Juni 2002:
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Λ oben

Farnace - Eine Oper von Vivaldi im Staatstheater Braunschweig

Es kam einer Sensation gleich, als im Herbst 1926 Mönche aus dem Salesianerkloster San Carlo im piemontesischen Borgo San Martino in der Nationalbibliothek von Turin vorsprachen und eine Musikaliensammlung zum Verkauf anboten, die ihnen testamentarisch hinterlassen worden war. Das Material wurde daraufhin von den Turiner Musikologen genau unter die Lupe genommen – und das mit Erfolg: Bei den insgesamt 97 Bänden handelte es sich um handschriftlich erhaltene bzw. autografe Partituren bislang unbekannter Werke Antonio Vivaldis, darunter rund 140 Konzerte, 12 Opern, 29 Kantaten und ein Oratorium. Dieser spektakuläre Fund entfachte ein bislang nie gekanntes Interesse an dem venezianischen Komponisten, das bis heute nicht abreißt. Und zudem: Über zwei Jahrhunderte war immer nur die Rede von den Konzerten Vivaldis, die dieser für das von ihm als musikalischer Leiter betreute Waisenhaus »Ospedale della Pieta« komponiert hatte, aber nie von der Oper. Das Interesse an seinen Bühnenwerken flammte erst im Zuge der Turiner Sensationsfunde auf.

Vivaldi selbst gab in einem 1739 geschriebenen Brief an, 94 Opern geschrieben zu haben. Diese Zahl scheint allerdings übertrieben zu sein. 49 Opern konnten bislang als von seiner Hand identifiziert werden. Als autografe Partituren sind 22 überliefert, davon wiederum 16 als Originalhandschriften. Dass Vivaldi für seine Konzerte bereits zu Lebzeiten europaweit gefeiert wurde, steht außer Frage. Und auch, dass ein Geistlicher wie Vivaldi, der bislang nur Instrumentalmusik komponiert hatte, sich plötzlich der Oper zuwendete, war durchaus nichts Ungewöhnliches. Es existieren zahlreiche Belege dafür, dass Vivaldi sowohl als Opernkomponist wie auch als Impresario durchaus sehr erfolgreich war: So wurde beispielsweise sein Erstlingswerk »Ottone in Villa« (1713) in Piacenza in den Jahren 1715 und 1720 wieder in den Spielplan mit aufgenommen, was sicherlich nicht geschehen wäre, hätte das Werk beim Publikum keinen Erfolg erzielt. Und sein Dramma per musica „Farnace“ bearbeitete er zwischen 1727 und 1733 sogar gleich sieben Mal für verschiedene Städte – ebenfalls ein eindeutiger Beweis für die Beliebtheit dieser Oper.

Die Geschichte um den bosporanischen König Farnace zählt zu den häufig vertonten Opernstoffen und liegt für die deutsche Erstaufführung in Braunschweig in der Originalfassung der Uraufführung vor. Farnace hat im Krieg eine vernichtende Niederlage hinnehmen müssen. Seine Heimat ist zerstört, seine Familie befindet sich auf der Flucht, seine Schwiegermutter Berenice trachtet ihm nach dem Leben. Ein letztes Mal will er sich gegen seine Feinde stellen. Seiner Frau Tamiri gibt er den Befehl, sich selbst und den gemeinsamen Sohn zu töten, um so der Schande der Gefangennahme zu entgehen. Doch Tamiri weigert sich, ein unschuldiges Kind zu opfern. Sie versteckt den Jungen, der nun zum Spielball von Rache und Politik wird.

„Farnace“ scheint Vivaldis erfolgreichste Oper gewesen zu sein. Über die Uraufführung schrieb der italienische Gelehrte Abbè Conti: „Vivaldi ist der Autor der Musik. Sie ist sehr abwechslungsreich, sowohl in ihrer Erhabenheit als auch in ihrer Empfindsamkeit.“ Die für die Epoche üblichen Da-capo-Arien besitzen ein hohes Maß an Affektgehalt. „Die Stimmungen sind in ihnen viel stärker gezeichnet, seien sie zärtlich, lebhaft oder anderer Art. Manchmal fließen bei den Italienern sogar Stimmungen zusammen, die den Franzosen ganz unvereinbar scheinen“, urteilte Johann Mattheson schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Und über die Prager Aufführung drei Jahre später schrieb Vivaldis böhmischer Gönner Graf Johann Joseph von Wrtby: „Diese Opera Farnace hat eine Grosse approbation gehabt.“ „Farnace“ entwickelte sich hier sogar zu einem Skandalerfolg, als den Bediensteten der adligen Logeneigner der freie Zutritt zur Vorstellung verwehrt wurde und diese daraufhin das Theater stürmten und randalierten. Es ist zu vermuten, dass dieses Ereignis nicht unerheblich zur Popularität und der weiteren Verbreitung des Werkes beitrug. (Christian Steinbock)

Farnace, Dramma per musica in drei Akten von Antonio Vivaldi mit einem Text von Antonio Maria Luchini.

Deutsche Erstaufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig.

Musikalische Leitung: Michael Schneider; Inszenierung: Roland Schwab; Bühne: Piero Vinciguerra; Kostüme: Gabriele Rupprecht; Dramaturgie: Christian Steinbock

Mit Moran Abouloff, Yosemeh Adjei, Michael Ha, Ekaterina Kudryavtseva, Anne Schuldt, Milda Tubelyte, Orhan Yildiz

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