Unser Archiv

 
Unsere Vereinszeitschrift

Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

In diesem Archiv können Sie in ausgewählten Artikeln unserer Mitgliederzeitschrift stöbern. Einige sind im pdf-Dateiformat abgespeichert. Um sie lesen zu können, benötigen Sie z.B. einen "Acrobat Reader ©". Falls er auf Ihrem Rechner noch nicht installiert sein sollte, können Sie ihn über diesen Link herunterladen: http://www.adobe.com/de/

 
Leitung der Redaktionen

  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Im Namen der Rose: Die DIG besucht das neue Dommuseum

Am 30.Juni des Jahres standen Hildesheimer „tifosi dell´arte ecclesiastica“ im oberen Arkadenring des Dom-Kreuzgangs,Dombesuch Nr. 1 blickten auf die Apsis mit der Hildesheimer Rose als dem Urspung und Wahrzeichen Hildesheims und stimmten sich ein auf „das schönste Geschenk, das Hildesheim sich selbst zum Jubiläum machte, das neue Dommuseum“ (FAZ 30.06.2015). Die einmalige Kollektion romanischer Sakralkunst war während der Bauzeit auf Welttournee gewesen. Die New York Times hatte über die Ausstellung im Metropolitan museum of art alle Register der Wertschätzung gezogen. Sie rühmte in einem Artikel die „Medieval Treasures from Hildesheim“ als „pure cream skimmed off the top“ (reine Sahne, abgeschöpft von ganz oben).

Die hohe Erwartung wurde nicht enttäuscht: Grandiose Objekte begegneten den Hildesheimer Italienfreunden Dombesuch Nr. 5in großartiger Architektur. Das Architekturbüro Schilling hat aus Köln Erfahrungen mit der Ausgestaltung des kirchlichen Kunstmuseums Kolumba in die Hildesheimer Konzeption eingebracht: in der Anordnung und Dramaturgie der Raumfluchten, in der Kombination von alter und neuer Bausubstanz und in der Verbindung von mittelalterlicher und moderner Kunst.

So ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das sich Kölner Vorbildern verdankt und selber Schule machen kann. Durch die Raumöffnung der alten Antoniuskirche im Westen mit der Einbeziehung des Rittersaales und der Erweiterung im Osten mit einem modernen Kopfbau ist eine beeindruckende Raumflucht entstanden, die Dombesuch Nr. 9die weltweit bedeutendsten und ranghöchsten Kunstobjekte des Hildesheimer Dommuseums auf einer Sichtachse vereint.

Schaut man auf ihr nach Westen, so ruht der Blick auf der Großen Goldenen Madonna.Dombesuch Nr. 3 Sie ist eine der frühesten vollplastischen Mariendarstellungen und in ihrem Motiv „Maria als Thron Gottes“ und mit ihrer frontalen und zentralen Position Christi ein byzantinisch inspiriertes Kunstwerk von unschätzbarem Wert. Dieser Wertschätzung entspricht die Ausstattung des umgebenden Raumes. An den Wänden hängen sechs monumentale Tapisserien. Dombesuch Nr. 10Sie waren für Katharina von Medici aus reiner Seide gewebt worden und wurden 1727 von einem Hildesheimer Domherren erstanden.

Der weitere Blick nach WestenDombesuch Nr. 4 über die Goldene Madonna hinaus findet sein Ziel in dem Ringelheimer Crucifixus. Bernward hatte ihn um das Jahr 1000 seiner Schwester Judith für das Ringelheimer Damenstift zugedacht: Ein Meilenstein der mittelalterlichen Holzskulptur am Beginn farblich gefasster Holzschnitzkunst. Die subtile Plastizität und Farbigkeit, die sich byzantinischer Elfenbeinkunst und ottonischer Buchmalerei verdankt, betonen die menschliche Seite Christi auf damals revolutionäre Weise.

Wendet man den Blick auf der Sichtachse nach Osten, so fällt der Blick auf den ehemaligen Lettner des Domes,Dombesuch Nr. 8 der bis 1945 die Gemeindekirche vom Presbyterium trennte. Johann Brabender aus Münster hat ihn unmittelbar nach der Einführung der Reformation in Hildesheim im Auftrag des Domherrn Arnold Freitag geschaffen. Er beeindruckt durch reiche Renaissance-Ornamentik aus hellem Sandstein, bekrönt von einer farblich gefassten Kreuzigungsgruppe. Eine nähere Betrachtung verdienen die neun Relieftafeln auf der Vorder- und Rückseite, die der Bernwardinischen Tradition folgend alttestamentliche und neutestamentliche Szenen typologisch verbinden.

Was Dombesuch Nr. 2besonderes Interesse fand: Der Lettner der katholischen Domkirche nimmt direkten Bezug auf die Reformation in Hildesheim und antwortet auf die lutherische Betonung von Verkündigung und Predigt mit einer zentralen Kanzel über dem Kreuzaltar für die Predigt und dem Adlerpult daneben für die Lesungen. Es ist der einzige „Kanzelaltar“ in einer katholischen Kirche geblieben und der früheste Versuch der katholischen Kirche, die reformatorischen Anliegen aufzugreifen!

Über die großartige Achse des neuen Gesamtkunstwerks hinaus begegnete den Hildesheimer Italienfreunden die reiche Sammlung an sakralen Ausstattungsstücken. Unter den Kunstwerken Hildesheimer Goldschmiede aus der Zeit von Bernward bis zur Reformation fand das Große BernwardkreuzDombesuch Nr. 6 besonderes Interesse. Mit seiner überaus reichen Ausstattung mit Bergkristallen, Gemmen und filigranen Ornamenten will es die vier Splitter vom Kreuze Christi ehren, die Otto III. seinem Lehrer zur Bischofsweihe schenkte, als noch veritable Kaiser in Hildesheim ein und aus gingen.

Im Kontrast Dombesuch Nr. 7zu diesem Triumphkreuz erscheint die Hängung der „Kreuztafeln“ von Arnulf Rainer wie eine Provokation. Rainers Holzlatten, die er vom Sperrmüll nahm und in schwarzer Farbe fast ertränkte, wollen an das Kreuz Christi erinnern, das nach Paulus den Juden als Skandal und den Griechen als Torheit erschien.

Im „optischen Dialog“ beider Kreuze miteinander entspann sich ein Gespräch über den Mut der Museumsleitung, mit den Neuacquisitionen die Sehgewohnheiten aufzubrechen, die mittelalterlichen Goldschätze zu verfremden und zu hinterfragen.

Ein Besuch des von 200 auf 800 m² erweiterten Museums ist unverzichtbar. Jedoch sollte man sich, da die ausgestellten Objekte der Liturgie und Kunst der Erläuterung und Erklärung bedürfen, unbedingt einer Führung anvertrauen.
(Text: Dr. Nico Strube, Fotos: Cornelia Graen)
- Veröffentlichung der Fotos mit freundlicher Genehmigung durch das Dom-Museum

Weitere Informationen

 
Unsere Vereinszeitschrift

Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

In diesem Archiv können Sie in ausgewählten Artikeln unserer Mitgliederzeitschrift stöbern. Einige sind im pdf-Dateiformat abgespeichert. Um sie lesen zu können, benötigen Sie z.B. einen "Acrobat Reader ©". Falls er auf Ihrem Rechner noch nicht installiert sein sollte, können Sie ihn über diesen Link herunterladen: http://www.adobe.com/de/

 
Leitung der Redaktionen

  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf