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Die Zeitschrift IL PONTE erscheint drei- bis viermal im Jahr. Die Verteilung erfolgt kostenlos an die Mitglieder durch Postversand sowie an die Besucher der Veranstaltungen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

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Leitung der Redaktionen

  • Apr. 1995 - Aug. 1996:
    Leonardo Civale
  • Nov. 1996 - Jan. 1998:
    Dr. Michele Lodeserto
  • Apr. 1998:
    Fabrizio Capilupo
  • Sept. 1998 - Juli 2000:
    Enzo Iacovozzi
  • seit Juni 2002:
    Heidemarie Zentgraf

Λ oben

Botticelli in Berlin: The Botticelli Renaissance 2015 - 1445

Kürzlich habe ich die Botticelli – Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie besucht. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass als erstes die Werke der Künstler gezeigt werden, die sich durch Botticelli haben inspirieren lassen oder diese neu interpretiert haben. So sind im ersten Teil ganz unterschiedliche Werke zu sehen, neben Werken berühmter Maler, wie Edgar Degas und Edward Burne-Jones, auch Fotografien, Videos, Skulpturen und Kreationen namhafter Modeschöpfer.

Ein großformatiges, postmodernes digitales Bild in bunten Farben von Tomoko Nagao befindet sich ganz am Anfang der Ausstellung. Die Venus steht auf einer Spielkonsole, umgeben von Konsumartikeln. Auf einem Podest sind Kreationen von Dolce & Gabbana aus dem Jahr 1993 zu sehen, ein Kleid und ein Hosenanzug, der Stoff ist bedruckt mit Motiven „Geburt der Venus“. Es gibt ein Portrait von Cindy Sherman von 1990, Vorbild hierfür war Botticellis „Allegorisches Portrait einer Dame“, das später auch im Original zu sehen ist.

Von der französischen Künstlerin ORLAN, einer Hauptvertreterin der Body Art - sie wurde bekannt durch verschiedene Performances, bei denen sie ihren eigenen Körper in oft radikaler Weise zum Medium ihrer Kunst machte - sind Werke ausgestellt, u.a. eine 18teilige Fotoserie, angelehnt an Botticellis „Geburt der Venus“.

In dem Bild von René Magritte „Le bouquet tout fait“ von 1956 stellt dieser zwei Motive ohne jeglichen Bezug dar: „Primavera von Botticelli auf einem Mann mit Melone von hinten gesehen“, so nannte Magritte selbst das Bild.

Von hohem Bekanntheitsgrad sind die großflächigen farbigen Acrylgemälde von Andy Warhol, sie zeigen beide den Kopf von Botticellis Venus in jeweils unterschiedlichen Farben.

Sehr gut gefällt mir das Ölgemälde von Antonio Donghi „Donna al caffé“ von 1931. In seiner Schlichtheit erinnert es an die Portraits Botticellis, z.B. an „La bella Simonetta“ oder an „Smeralda Bandinelli“.

Das zuletzt genannte Bild erwarb der Maler Dante Gabriel Rossetti im Jahr 1867 für gerade einmal 20 Pfund auf einer Auktion. Es wurde zum Vorbild für Rossettis eigene Portraits, einige sind auch in der Ausstellung zu sehen.

Von Botticelli inspirieren ließ sich auch die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli, das lange Gewand der Athene in Botticellis „Minerva und der Kentaur“ war Vorbild für die von ihr 1938 entworfenen Kleider. Beeindruckt hat mich auch das Selbstportrait des in Paris lebenden Ägypters Youssef Nabil, da es eine persönliche Geschichte erzählt. Eine Reproduktion der Primavera hing jahrelang während seiner Kindheit in seinem Zimmer, morgens fiel sein erster Blick auf das Bild und abends sein letzter. Sein Wunsch war dann später, einmal vor der echten Primavera aufzuwachen. Die Uffizien gestatteten ihm, sein Vorhaben zu verwirklichen. Es war eine Reise zurück in seine Kindheit.

Ich habe hier nur einige Kunstwerke herausgegriffen, es ist sehr interessant, zu welchen vielfältigen Werken sich Künstler bis heute inspirieren ließen.

Die Gemäldegalerie besitzt nach den Uffizien die bedeutendste Sammlung an Botticelli–Gemälden. Hinzu kommen die Illustrationen zu Dantes Göttlicher Komödie aus dem Kupferstichkabinett.

Botticelli hat nur zwei seiner Werke signiert, eine Zuordnung seiner Gemälde ist nur anhand stilistischer Übereinstimmungen möglich. Sicher wurden manche Bilder von seinen Schülern gemalt, denn Botticelli hatte eine gut organisierte Werkstatt.

Er war vielseitig begabt, als Zeichner, Maler von Madonnenbildern, als Portraitmaler und später als Maler von Bildern mit Motiven aus der Mythologie.

Der zweite Teil der Ausstellung zeigt Botticellis Originalgemälde, der eigene Bestand wird ergänzt durch eine Vielzahl von Leihgaben aus Museen und Privatbesitz. Etwa 50 Originale sind zu bewundern. Steht man vor dem Tondo Raczynski, einem großen Rundbild von 1477 mit dem Titel „ Maria mit dem Kind und singenden Engeln“ ist man in Gedanken in den Uffizien, wo ja auch ähnliche Rundbilder hängen. Mir erging es jedenfalls so. Weitere, zum Teil sehr bekannte Bilder Botticellis, wie der Bardi–Altar von 1485, werden gezeigt, zahlreiche Portraits, wie „Simonetta Vespucci“ (s. Bild),”Giuliano de Medici“, auch das bereits erwähnte „Smeralda Bandinelli“, eine Leihgabe aus dem Victoria und Albert Museum in London und weitere Portraits.

Auffallend ist, dass das Motiv „Maria mit dem Kinde und dem Johannesknaben“ in mehreren Variationen zu sehen ist.

Botticelli wurde als Alessandro di Mariano Filipepi 1445 im Stadtteil Ognisanti in Florenz geboren. Den Namen Botticelli (kleines Fass, Fässchen) bekam er von einem seiner Brüder. Seine Werkstatt lag in Ognisanti, in der gleichnamigen Kirche befindet sich auch sein Grab. Botticelli starb 65jährig im Jahr 1510. Auch Simonetta Vespucci liegt dort begraben, sie wurde nur 25 Jahre alt. Simonetta war der Inbegriff einer Florentiner Schönheit, es ist anzunehmen, dass Botticelli ihre Schönheit als Vorbild für seine Frauenportraits nahm und sie auch in seinen anderen Gemälden verewigte.

Während andere Künstler seiner Zeit, wie Leonardo da Vinci, Raffael, Michelangelo und auch Dürer, über die Jahrhunderte bekannt blieben, verschwanden mit dem Ende der Renaissance die Bilder Botticellis in den Depots der Uffizien. Erst im 19. Jahrhundert wurde Botticelli wiederentdeckt. Seine Werke haben heute einen großen Bekanntheitsgrad, fast jeder kennt die Geburt der Venus und die Primavera.

In der Ausstellung werden etwa 150 Exponate gezeigt. Zur Ausstellung gibt es einen umfangreichen Katalog mit vielen Informationen und Abbildungen für 29,- €.

Mir hat die Ausstellung sehr gefallen, ich würde sie mir auch noch einmal anschauen. “The Botticelli Renaissance” läuft noch bis zum 24. Januar 2016, der Eintritt kostet 14 €. Es ist ratsam, sich vorher eine Eintrittskarte mit Zeitfenster zu besorgen, um lange Wartezeiten zu umgehen. (Cornelia Graen)

Weitere Informationen

 
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